Das Handwerk

DSC_8421Das Buchbinderhandwerk basiert auf einer im frühen Mittelalter entwickelten Technik. Damals entstanden der Kodex und auch das handgeschriebene Missale für den Kirchengebrauch, mit teilweise wunderschönen Initialen. Die Bücher wurden in Leder oder Pergament gebunden. Mit der Entwicklung des Buchdrucks im 15. Jahrhundert wurde die Buchbindetechnik verfeinert.

Durch die zunehmende Verbreitung des Buchwesens entwickelten sich im 16. bis 18. Jahrhundert eine Vielzahl von gestalterischen Variationen – nicht nur feines Leder, sondern auch Marmor- und Kleisterpapier wurde für den Einband verwendet. Schließlich erlebte der Bucheinband zu Beginn des 20. Jahrhunderts in Frankreich noch einmal eine Blüte. Verleger und Buchgestalter schufen gemeinsam mit Künstlern wie Chagall, Picasso oder Max Ernst kunstvolle Sammlerbücher. Auch das kleine und preiswerte Buch, wie der Pappband, entwickelte sich zu einem Sammlergegenstand, z.B. das Inselbuch.

Nach dem zweiten Weltkrieg gewann die Buchrestaurierung an Bedeutung. Damals stand das Wiedererlernen der alten Handwerkstechniken im Vordergrund. Zur Rettung und Bewahrung von Schriftgut allgemein befasste man sich zunehmend mit Methoden zur Reinigung und Entsäuerung, zum Schutz und zur adäquaten Aufbewahrung von Büchern und Archivalien. Das schön gedruckte, gestaltete und gebundene Buch wurde in der Zeit der industriellen Massenproduktion immer mehr zur Rarität und ist bis heute ein Liebhaberobjekt geblieben.